Trotz des herrlichen Grillwetters und Alternativangeboten war der Saal im St.-Barbara-Haus komplett gefüllt beim Frühlingskonzert der Stadtkapelle. Das stimmte Moderator Martin Kissenkötter auch durchaus dankbar, aber im Gegenzug versprach er dem Publikum auch eine angemessene Entschädigung in Form eines frühlingsfrischen und abwechslungsreichen Programms.
Dieses Versprechen einzulösen war nun die Aufgabe aller Aktiven auf der Bühne, und sie meisterten diese Aufgabe mit Bravour, zunächst das Jugendblasorchester mit zwei mehrsätzigen Stücken, die in sich schon sehr abwechslungsreich und unterhaltsam waren. Als dann das Seniorenorchester unter der Leitung von Erich Holtstiege auf der Bühne versammelt war, hatte die Vorsitzende Karin Riegel zunächst eine erfreuliche Aufgabe: Nachdem im vergangenen Jahr bereits vier jugendliche Mitglieder für ihre starken Leistungen bei der D1-Prüfung geehrt werden konnten, gratulierten nun alle Anwesenden Marcel Quante zum äußerst erfolgreichen Abschluss des weiterführenden D2-Lehrganges.
Dann aber ging es musikalisch weiter, mit zwei Märschen wurde der erste Konzertteil eingerahmt, und drei spannende Potpourris standen im Zentrum dieses ersten Teils: „Oldies forever“ mit unterschiedlichen Hits der 1960er- und 1970er-Jahre, „Marco Borsato on stage“ mit Hits des erfolgreichsten Schlagersängers der Niederlande und „Simon and Garfunkel“, einer Hommage an das Folk-Duo, und spätestens bei „Mrs. Robinson“ ging eine wunderbar frische Frühlingsbrise durch den Saal, hier kam die Spielfreude voll rüber.
Mit Filmmusik startete der zweite Teil, gut, die „Kingswood Overture“ von James Ployhar ist nicht eigentlich Filmmusik, aber bei zahlreichen harmonischen Wendungen konnte man Lawrence von Arabien im trauten Zwiegespräch mit Indiana Jones beobachten. Nach „Fluch der Karibik“ von Klaus Badelt kam dann ein echter Höhepunkt, „Sound Giganten“ von Manfred Schneider: Von Exodus bis zu Krieg der Sterne spannte sich ein Reigen mit einigen der berühmtesten Filmmusiken. Sensationell war hierbei das Thema aus Goldeneye, das super arrangiert war, aber auch von der Stadtkapelle umwerfend interpretiert war, vom ersten Akkord an war elektrisierende Hochspannung im Raum, begeisternd, wie die Trompeten das Terzmotiv (ähnlich dem „Kuckucksruf“, nur in James-Bond-Spionagemanier...) durch spezielle Ansatztechnik „röhrten“. Auch das melancholische Thema aus Coppolas „Der Pate“ war höchst überzeugend arrangiert und gespielt, hier harmonierten tiefes Blech und Holzbläser besonders. Dem abschließenden „Krieg der Sterne“ konnten die Musiker dann aber bei allem tollen Engagement nicht die rechte Würze geben, was aber dem Arrangeur anzulasten ist, wichtige Harmonietöne fehlten, und das Hauptmotiv war im Takt verschoben, so hat es John Williams im Original nicht gedacht, aber das schmälert ja nicht die starke Leistung des Orchesters.
Mit traditionelleren Stücken wie „Dompfaff“ von Ernst Mosch klang ein erfrischendes und kurzweiliges Frühlingskonzert aus, und den Grill konnte man ja auch noch am frühen Abend anzünden, nach solch einem musikalischen Aperitif schmeckte es doch doppelt gut.
Text und Foto: Christoph Falley, Dülmener Zeitung
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